Guiraud

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Château Guiraud – Sauternes 1er Grand Cru Classé 1855

Wo Süße auf Frische trifft: Die Revolution des Sauternes

Wenn man über die großen süßen Weißweine der Welt spricht, fällt früher oder später der Name Sauternes. Und wenn man über Sauternes spricht, kommt man an Château Guiraud nicht vorbei. Doch dieses Gut ist weit mehr als ein weiterer Klassiker der 1855er Klassifikation – es ist ein Pionier, ein Rebell und ein lebendiges Labor für die Zukunft edelsüßer Weine. Seit 1766, als der Bordeaux-Négociant Pierre Guiraud die „Maison Noble du Bayle“ erwarb und ihr seinen Namen gab, schreibt dieses Gut seine eigene Geschichte – und die ist alles andere als konventionell
.Die schwarz-goldene Etikette, die bis heute nahezu unverändert geblieben ist, erzählt bereits von der ungewöhnlichen Herkunft der Familie Guiraud: Protestantisch und republikanisch in einer Region, die katholisch und royalistisch geprägt war. Dieser Geist des Andersseins, des Voranschreitens gegen den Strom, durchzieht das Gut bis in die Gegenwart. Denn während andere Premiers Crus auf Tradition setzen, wagt Guiraud den Sprung in eine neue Ära – mit Biodynamie, Biodiversität und einem Sauternes-Stil, der die Süße beherrscht statt von ihr beherrscht zu werden.

Vom Niedergang zur Renaissance: Eine Familiengeschichte in drei Akten

Die ersten zwei Jahrhunderte des Gutes waren von Aufstieg geprägt. Unter Louis Guiraud, dem Sohn des Gründers, erreichte das Gut die höchste Qualitätsstufe und wurde 1855 als 1er Grand Cru Classé klassifiziert. Doch ohne direkte Erben zerfiel das Familienimperium, und verschiedene Besitzer folgten einander. Die Qualität der Weine litt, besonders in den 1970er Jahren, als das Gut nahezu in Vergessenheit geriet. Die Wende kam 1981, als die kanadisch-ägyptische Familie Narby das verwahrloste Gut erwarb. Sie investierten massiv in Weinberg und Keller und engagierten 1988 Xavier Planty als Geschäftsführer – eine Entscheidung, die das Schicksal von Guiraud nachhaltig verändern sollte. Unter Plantys Führung erlebte das Gut eine beispiellose Renaissance. Doch der wahre Wendepunkt kam 2006, als die Narby-Familie verkaufen wollte. Planty formte ein Konsortium aus vier Persönlichkeiten: Robert Peugeot (der Automobildynastie), Olivier Bernard (Domaine de Chevalier), Stephan von Neipperg (Canon La Gaffelière) und er selbst erwarben das Gut gemeinsam
.
Dieses „Dream Team“ brachte nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch eine gemeinsame Vision: Sauternes neu zu denken. 2011 wurde Château Guiraud als erster 1er Grand Cru Classé der 1855er Klassifikation mit dem Bio-Zertifikat ausgezeichnet – ein Meilenstein, der die gesamte Region aufschreckte 2021/2022 markierte eine weitere Zeitenwende: Matthieu Gufflet wurde Mehrheitsaktionär, und im Mai 2022 übernahm Sandrine Garbay die Leitung des Gutes. Garbay, die 27 Jahre lang Kellermeisterin bei Château d'Yquem war, bringt eine unvergleichliche Expertise im edelsüßen Weinbau mit und setzt einen neuen Akzent: noch mehr Frische, noch mehr Präzision, noch mehr zeitgenössische Eleganz
.

Das Terroir: Ein geologisches Mosaik im Herzen von Sauternes

Das Gut erstreckt sich über 128 Hektar, davon 85 Hektar bestockte Rebfläche. Die Lage ist einzigartig: eingebettet in ein natürliches Amphitheater aus Wäldern, das das Gut wie eine Insel von der Umgebung abhebt. Diese topografische Isolation schafft ein Mikroklima, das ideal für die Entwicklung der edlen Fäule ist. Die Böden sind von bemerkenswerter Vielfalt: 80 % sandige Kiesböden und 20 % tonige Kiesböden bilden die Oberfläche. Darunter liegt ein faszinierendes Untergrund-Mosaik aus tiefen, durchscheinenden Sanden, reinen Kiesablagerungen durchzogen von roten und weißen Tonadern, Kalkmergel, Austernkalkstein-Bändern und fossilen Ablagerungen. Diese geologische Komplexität verleiht den Weinen ihre charakteristische Mineralität und Tiefe.
Das Klima ist klassisch ozeanisch, doch mit einer entscheidenden Besonderheit: Die Flüsse Garonne und Ciron sorgen für morgendliche Nebelschwaden im Herbst, die die Reben einhüllen und die Botrytis cinerea – die edle Fäule – begünstigen. Wenn dann die Nachmittagssonne die Trauben trocknet und konzentriert, entsteht das magische Zusammenspiel, das großen Sauternes erst möglich macht.

Die Rebsorten: Ein ungewöhnliches Verhältnis

Während die meisten Sauternes-Betriebe auf Sémillon setzen, hat Guiraud schon immer einen eigenen Weg beschritten. Der Weinberg ist bestockt mit 65 % Sémillon und 35 % Sauvignon Blanc – ein ungewöhnlich hoher Sauvignon-Anteil, der dem Wein seine markante Frische und aromatische Lebendigkeit verleiht. Die Reben haben ein durchschnittliches Alter von 25 bis 35 Jahren, einige Parzellen sind sogar deutlich älter. Besonders wertvoll ist der Conservatoire des Cépages, den Xavier Planty 2001 ins Leben rief: eine einzigartige Sammlung von über 135 (nach anderen Quellen bis zu 175) Klonen von Sémillon und Sauvignon Blanc. Dieses genetische Archiv dient der Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Züchtung zukunftsfähiger Rebstöcke – ein Vorhaben, das weit über die eigenen Weinberge hinausweist.

Die Lese: Geduld als höchste Tugend

Die Ernte bei Guiraud ist ein Meisterwerk der Geduld und Präzision. Die Trauben werden ausschließlich von Hand gelesen, und das nicht nur einmal. Es können bis zu sechs Durchgänge (tries) nötig sein, um jede einzelne Beerenzweig zu erfassen, die von der Botrytis perfekt konzentriert wurde. Jede Lese erfolgt selektiv: Nur die Trauben mit optimaler Edelfäule-Ausbildung werden geerntet. Die Erträge sind extrem niedrig. Während eine normale Weinrebe etwa eine Flasche Wein produziert, bringt eine Sauternes-Rebe bei Guiraud gerade einmal ein Glas hervor. Die durchschnittlichen Erträge liegen oft unter 10 Hektolitern pro Hektar
– ein verschwenderischer Luxus, der sich im Glas in konzentrierter Intensität manifestiert.
Die Lesezeit erstreckt sich über mehrere Wochen, typischerweise von Mitte September bis Ende Oktober. Der Jahrgang 2022 beispielsweise wurde zwischen dem 22. September und dem 27. Oktober in drei Durchgängen gelesen. Diese akribische Arbeit erklärt auch, warum Sauternes zu den teuersten und exklusivsten Weinen der Welt zählt.

Die Vinifikation: Alte Reben, neue Wege

Nach der Lese werden die Trauben sanft gepresst, und die Gärung erfolgt in neuen französischen Eichenfässern zu 90 %, ergänzt durch 10 % Einjahresfässer. Besonders bemerkenswert: Guiraud setzt auf indigene Hefen, die natürlich auf den Trauben vorhanden sind – ein Zeichen des Vertrauens in die eigene Terroir-Authentizität. Die Gärung dauert drei bis sechs Wochen und wird sorgfältig überwacht, um die perfekte Balance zwischen Restsüße, Alkohol und Säure zu finden. Xavier Planty war bekannt dafür, die Chaptalisierung (Zuckerzusatz) auf ein absolutes Minimum zu reduzieren – eine kontroverse Position in der Region, die aber die reine Ausdruckskraft des Terroirs bewahrt
.
Der Ausbau erfolgt über 18 Monate in Barriques, wobei die Fässer regelmäßig gerührt werden, um die Hefen in Suspension zu halten und dem Wein zusätzliche Komplexität zu verleihen. Das Ergebnis ist ein Wein, der die opulente Süße des Sauternes mit einer erstaunlichen Frische und Trinkfähigkeit verbindet.

Die Weine im Glas: Vier Gesichter eines Gutes

Château Guiraud 1er Grand Cru Classé – Der Grand Vin

Das Flaggschiff des Gutes präsentiert sich in einer tiefen, goldenen Farbe, die mit zunehmendem Alter in Bernsteintöne übergeht. Die Nase ist ein Feuerwerk aus exotischen Früchten (Ananas, Mango, Passionsfrucht), getrockneten Aprikosen, Akazienhonig, Orangenblüten und einer feinen mineralischen Unterströmung
.Am Gaumen zeigt sich die Handschrift von Guiraud in voller Pracht: Die Süße ist präsent, aber niemals aufdringlich – balanciert von einer lebendigen, fast elektrisierenden Säure, die dem Wein eine erstaunliche Frische und Länge verleiht. Die Textur ist samtig und dicht, die Aromen entwickeln sich über Stunden im Glas weiter. Noten von Vanille, gerösteten Nüssen, Zedernholz und einer subtilen Würze kommen hinzu. Die jüngeren Jahrgänge unter Sandrine Garbay zeigen eine noch ausgeprägtere Frische und eine kontrolliertere Süße. Der 2022er beispielsweise kombiniert „die fruchtige Frische der ersten Selektion aus Mitte September mit all der Komplexität der zwei botrytisierten Selektionen Ende Oktober“ – ein Wein, der die neue Ära von Guiraud verkörpert.


Petit Guiraud – Der junge Sauternes

Mit Petit Guiraud hat das Gut einen zweiten Wein kreiert, der die edelsüße DNA des Gutes in zugänglicherer Form präsentiert. Hergestellt von denselben Parzellen und denselben Reben, aber aus einer ersten Selektion mit geringerer Zuckerkonzentration, ist dieser Wein für den spontanen Genuss konzipiert. Die Vinifikation erfolgt teilweise in Edelstahl, teilweise in Holzfässern, der Ausbau dauert 12 Monate in Einjahresfässer. Das Ergebnis ist ein goldgelber Wein mit Aromen von weißen Blüten, Zitrusfrüchten und Pfirsich, am Gaumen frisch, leicht und einladend – ideal als Aperitif oder zu leichten Desserts.


Le G de Château Guiraud – Der trockene Weißwein

Neben den süßen Weinen produziert Guiraud seit einigen Jahren auch trockene Weißweine unter der Appellation Bordeaux Blanc. Le G de Guiraud ist der Einstiegswein dieser Linie – frisch, aromatisch und von bemerkenswerter Präzision. Besonders interessant: Ein Teil der Gärung und des Ausbaus erfolgt in Fässern, die zuvor für den edelsüßen Grand Vin genutzt wurden. Dies verleiht dem trockenen Wein eine subtile texturale Tiefe und einen Hauch von Komplexität, die ihn von anderen Bordeaux-Blancs abhebt.


Grand Vin Blanc Sec de Château Guiraud – Die trockene Grand-Cru-Linie

2020 debütierte mit dem Grand Vin Blanc Sec eine neue Premium-Linie. Mit nur 11.000 Flaschen pro Jahrgang extrem limitiert, repräsentiert dieser Wein die Quintessenz des Guiraud-Terroirs in trockener Form. Hergestellt von den ältesten Reben des Gutes und mit der gleichen akribischen Sorgfalt vinifiziert wie der Sauternes, ist dies ein Weißwein von bemerkenswerter Tiefe und Lagerfähigkeit.


Biodiversität als Philosophie: Mehr als nur ein Label

Château Guiraud ist Bio – aber das ist nur die halbe Wahrheit. Das Gut versteht Biodynamie und Ökologie als ganzheitliches Lebensprojekt. Über 635 verschiedene Arten von Insekten, Spinnen und Bienen wurden auf dem Anwesen gezählt – ein Biodiversitätsindex, der weit über das hinausgeht, was das Bio-Siegel verlangt. Die Maßnahmen sind vielfältig: Heckenpflanzungen fördern die Fauna, Naturbelassene Bodenbedeckung in den Reihen schützt die Bodenstruktur, Nistkästen für Vögel und Insektenhotels schaffen Lebensräume
. Ein eigenes Kompostier- und Kräuterinfusions-Programm mit Kamille, Brennnessel und Beinwell ersetzt synthetische Behandlungen. Seit 2022 ist das Gut zusätzlich dem Label Terres de Natures angeschlossen – eine Initiative, die über Bio hinausgeht und eine ganzheitliche ökologische Landwirtschaft fördert. Das Ziel ist nicht nur der ökologische Weinbau, sondern die Schaffung eines selbstregulierenden Ökosystems, in dem der Weinberg als Teil einer größeren natürlichen Ordnung verstanden wird.


La Chapelle: Gastronomie im Herzen des Gutes

Seit 2018 beherbergt das Gut das Restaurant La Chapelle – eingeweiht in der historischen protestantischen Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Unter der Leitung von Nicolas Lascombes, einem der renommiertesten Gastronomen der Region, wird hier die Küche des Südwestens zelebriert, ergänzt durch Zutaten aus den eigenen Gärten des Gutes. Die Weinkarte ist selbstverständlich auf Sauternes und Barsac fokussiert, und das Serviceteam berät die Gäste gerne bei der Entdeckung der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten süßer Weine – von der Aperitif-Glasur über die Begleitung von Vorspeisen bis hin zur klassischen Dessert-Paarung. Das Restaurant ist nicht nur ein kulinarisches Erlebnis, sondern auch ein strategisches Element der Guiraud-Philosophie: Es demonstriert die Gastronomiefreundlichkeit von Sauternes und hilft, die Vorurteile gegenüber süßen Weinen abzubauen.


Besonderheiten, die Guiraud auszeichnen

  1. Erster Bio-Premier Cru 1855: 2011 als erster 1er Grand Cru Classé mit Bio-Zertifikat ausgezeichnet – ein Pionierakt, der die gesamte Region inspirierte..
  2. Das Konsortium der vier Freunde: Die ungewöhnliche Besitzerstruktur aus Industrie (Peugeot) und drei renommierten Winzern (Bernard, von Neipperg, Planty) bringt vielfältige Perspektiven und finanzielle Stabilität..
  3. Wechsel an der Spitze: Mit Sandrine Garbay (ex-Yquem) als neue Kellermeisterin seit 2022 beginnt eine neue Ära – fokussiert auf noch mehr Frische und zeitgenössische Eleganz..
  4. Klonen-Conservatoire: Die weltweit einzigartige Sammlung von über 135 Sémillon- und Sauvignon-Klonen sichert die genetische Zukunft der Region..
  5. Digitale Vorreiterrolle: Laut der Marktforschungsfirma MyBalthazar hat sich Guiraud von Rang sieben auf Rang drei der digitalen Einflussnahme in Bordeaux vorgekämpft – ein Zeichen der erfolgreichen Modernisierung
    .

Servierempfehlung und Lagerfähigkeit

Der Château Guiraud Grand Vin entfaltet sein volles Potenzial nach mindestens 5-8 Jahren Flaschenreife und kann problemlos 20-30 Jahre und in herausragenden Jahrgängen sogar länger gelagert werden. Mit zunehmendem Alter entwickelt der Wein komplexe Aromen von Trockenfrüchten, Karamell, Nüssen und Tabak. Serviertemperatur: 8-10 °C für junge Jahrgänge, 10-12 °C für ältere Weine. Vor dem Öffnen älterer Jahrgänge empfiehlt sich eine kurze Dekantation, um die Aromen zu entfalten. Kulinarische Begleiter: Klassisch zu Foie Gras, Blauschimmelkäse (Roquefort, Gorgonzola), Obsttarts und Crème brûlée. Modern interpretiert: Zu scharfen asiatischen Gerichten (Thai-Curry, Sushi mit süßer Soße), gereiftem Comté oder sogar als Aperitif zu würzigen Tapas.


Fazit

Château Guiraud ist ein Gut, das die Regeln neu schreibt. In einer Welt, die süße Weine oft als altmodisch betrachtet, beweist Guiraud, dass Sauternes zeitgemäß, frisch und unglaublich vielseitig sein kann. Die Kombination aus historischem Erbe (1er Grand Cru Classé 1855), ökologischer Pionierarbeit (erster Bio-Premier Cru), innovativer Weinphilosophie (hoher Sauvignon-Anteil, Klonen-Forschung) und gastronomischer Öffnung (La Chapelle, trockene Weißweine) macht dieses Gut zu einem der spannendsten Adressen nicht nur des Sauternes, sondern des gesamten Bordeaux.
Die Weine bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis für einen Premier Cru Classé und sind sowohl für den Genuss in jungen Jahren als auch für die langfristige Kellerreifung bestens geeignet. Wer Sauternes neu entdecken oder neu lieben lernen möchte, findet in Château Guiraud den perfekten Einstieg.
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Chateau Guiraud 2002 Sauternes Premier Cru
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