du Tertre

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Château du Tertre – Margaux 5ème Grand Cru Classé 1855

Auf dem höchsten Hügel von Arsac: Wo tausend Jahre Weinbau auf moderne Eleganz treffen

Château du Tertre thront auf einem der höchsten kiesigen Hügel des Médoc – rund 24 Meter über dem Meeresspiegel – und blickt auf eine Geschichte zurück, die fast tausend Jahre umfasst. Bereits im 12. Jahrhundert etablierte sich die Seigneurie von Arsac auf diesen Ländereien, lange bevor die berühmte Klassifikation von 1855 dem Gut den Status als 5ème Grand Cru Classé verlieh. Die geografische Lage ist außergewöhnlich: Ein einziger, ungeteilter 52 Hektar großer Weinbergblock erstreckt sich über den Hügel, durchzogen von einem Bach, der die beiden kiesigen Ausläufer voneinander trennt und für natürliche Drainage sowie kühlende Frische sorgt. Diese Topografie schützt die Reben vor späten Frösten und sorgt für optimale Lichtexposition – ein natürliches Amphitheater, das die Reife behutsam moderiert.


Die Geschichte des Gutes ist ein Wechselspiel aus Vision und Verfall. Vom mittelalterlichen Lehnsherren über die einflussreiche Familie Ségur bis zu Pierre Mitchell, einem Pionier der Glasflaschenherstellung, wechselten die Besitzer, doch der Weinberg blieb nahezu unverändert. Die internationale Anerkennung kam 1855, doch wie viele Güter des Médoc erlebte du Tertre im 20. Jahrhundert eine Phase des Niedergangs. Die Wende kam 1997, als Éric und Marie-Louise Albada Jelgersma das Gut erwarben – die niederländischen Unternehmer, die bereits das benachbarte Château Giscours (3ème Cru Classé) in ihrem Portfolio hatten. Sie investierten massiv, restrukturierten 70 % der Weinberge und installierten modernste Kellertechnik. Doch die enge Nachbarschaft zu Giscours erwies sich als strategisches Dilemma: Zwei Güter derselben Appellation, derselben Familie, aber unterschiedlicher Stil – es fiel schwer, beiden gerecht zu werden.

Nach dem Tod von Éric Albada Jelgersma 2018 entschied die Familie, sich auf Giscours zu konzentrieren. 2021 wurde Château du Tertre verkauft – an die Helfrich-Familie (bekannt aus dem Elsässer Weinbau und Gründer von Les Grands Chais de France) sowie einen französischen institutionellen Investor. Alexander van Beek, der langjährige Geschäftsführer, kommentierte: „Es war eine schwere Entscheidung, denn das Gut lag der Familie sehr am Herzen. Aber der Verkauf wird helfen, du Tertre aus dem Schatten von Giscours zu befreien"
.

Das Terroir: Feiner, tiefer Kies auf höchstem Niveau

Die 52 Hektar AOC Margaux-Weinberge von du Tertre bilden einen der wenigen ungeteilten Blöcke der Appellation. Die Böden bestehen aus feinem, tiefem Kies, Ton und Sand – eine Kombination, die für die charakteristische subtile, delikate Eleganz der Margaux-Weine verantwortlich ist. Die Höhenlage von 24 Metern ist für das Médoc außergewöhnlich und bietet entscheidende Vorteile: Bessere Drainage, intensivere Sonneneinstrahlung und Schutz vor Bodenfrost. Der Bach, der durch das Gut fließt, kühlt die Luft und sorgt für ausgeglichene Nachttemperaturen – ein natürliches Mikroklima, das die Reife verlangsamt und die Aromen konzentriert. Weiter unten am Hang, auf natürlich kühleren sandig-kiesigen Böden, gedeihen die Rebsorten für den Tertre Blanc – einen Weißwein, der bewusst außerhalb der klassischen Bordeaux-Appellationen spielt und mit internationalen Rebsorten experimentiert
.

Die Rebsorten: Vier rote, vier weiße – eine ungewöhnliche Palette

Rotwein-Rebsorten (52 Hektar)

Rebsorte Anteil Rolle in der Cuvée
Cabernet Sauvignon 63% Struktur, Konzentration, Tannine, Lagerpotenzial
Merlot 14% Rundheit, Seidigkeit, Fruchtfülle
Petit Verdot 12% Farbe, Dichte, späte Reife, komplexe Aromen
Cabernet Franc 11% Würziger Bukett, florale Noten, Eleganz


Diese ungewöhnliche Vierfalt ist typisch für du Tertre und ermöglicht Assemblagen von bemerkenswerter Komplexität. Der hohe Petit Verdot-Anteil (12 %) ist für Margaux außergewöhnlich und verleiht dem Wein zusätzliche Farbtiefe und strukturelle Länge.


Weißwein-Rebsorten (6 Hektar für Tertre Blanc)


Rebsorte Anteil
Chardonnay 40%
Sauvignon Blanc 28%
Viognier 20%
Gros Manseng 12%


Diese internationale Mischung – vinifiziert in Edelstahl und ausgebaut in 100 % neuen französischen Eichenfässern – positioniert den Tertre Blanc bewusst als Vin de France, jenseits der Bordeaux-Appellationen.


Die Vinifikation: Schwerkraft, Holz und Beton

Château du Tertre war eines der ersten Güter des Médoc, das auf Schwerkraftfüllung setzte – die Trauben fließen ohne Pumpen von oben nach unten, was die Beerenhaut schont und sanftere Extraktion ermöglicht. Die Gärung erfolgt in kleinen Holzgefäßen und seit 2008 zusätzlich in betonierten Tronconic-Tanks. Die parzellenspezifische Vinifikation ist das Herzstück der Kellertechnik: Die kleinen Tankkapazitäten ermöglichen es, die besten Parzellen separat zu vergären und die Assemblage mit maximaler Präzision vorzunehmen. Die Rotweine reifen 16 Monate in französischen Eichenfässern, wobei der Anteil neuer Barriques je nach Jahrgang variiert
.

Die Weine im Glas: Eleganz, die sich nicht inszeniert

Château du Tertre Rouge – Der Grand Vin

Der Stil von du Tertre ist bewusst nicht exhibitionistisch. Es ist ein Wein der Finesse, nicht der Macht – ein Margaux, der mit Seidigkeit und Balance überzeugt statt mit Extrakt und Schwere.

Les Hauts du Tertre – Der Zweitwein

Der Zweitwein wird aus den jüngeren Reben und den kühleren Hanglagen vinifiziert. Er ist zugänglicher, fruchtiger und für den frühen Genuss konzipiert – ein charmantes Einsteiger-Erlebnis in die Welt von du Tertre
.

Tertre Blanc – Der weiße Grenzgänger

Der Tertre Blanc ist bewusst kein Bordeaux Blanc – er ist ein Vin de France, der internationalen Rebsorten wie Chardonnay, Viognier und Gros Manseng eine Bühne bietet. Vinifiziert in Edelstahl und ausgebaut in 100 % neuen Eichenfässern, zeigt er eine cremige Textur mit tropischen Früchten, Vanille und lebendiger Säure
.

Besonderheiten, die du Tertre auszeichnen

  1. Tausendjährige Geschichte: Die Wurzeln reichen ins 12. Jahrhundert zurück – einer der ältesten kontinuierlich bewirtschafteten Weinberge des Médoc..
  2. Unveränderter Weinberg seit 1855: Die 52 Hektar sind nahezu identisch mit den Parzellen der ursprünglichen Klassifikation – eine terroirhistorische Kontinuität, die selten ist..
  3. Höchster Hügel des Médoc: 24 Meter über dem Meeresspiegel – ein natürlicher Vorteil für Drainage und Frostschutz..
  4. Vier rote Rebsorten: Mit 12 % Petit Verdot und 11 % Cabernet Franc ist die Cuvée ungewöhnlich komplex für einen Margaux..
  5. Schwerkraft-Vorreiter: Eines der ersten Médoc-Güter mit gravitationsbasierter Kellertechnik..
  6. Axel Vervoordt-Design: Die Gästezimmer des Gutes wurden vom weltberühmten belgischen Designer gestaltet – eine Fusion aus Wein und zeitgenössischer Ästhetik..
  7. Neuanfang 2021: Der Verkauf an die Helfrich-Familie und den französischen Investor markiert ein neues Kapitel – befreit vom Schatten von Giscours
    .

Servierempfehlung und Lagerfähigkeit

Der Château du Tertre Rouge entfaltet sein volles Potenzial nach 5-8 Jahren Flaschenreife, kann aber problemlos 15-20 Jahre gelagert werden. Vor dem Genuss empfiehlt sich eine Dekantation von 1-2 Stunden. Serviertemperatur: 16-18 °C.
Als kulinarische Begleiter eignen sich Lammkarree mit Kräuterkruste, Gegrilltes Entrecôte, Pilzrisotto mit Trüffel, Geflügel in Sauce und gereifter Hartkäse.

Fazit

Château du Tertre ist ein Gut, das seine tausendjährige Geschichte mit moderner Bodenständigkeit verbindet. Vom mittelalterlichen Lehnsherren über die Ségur-Dynastie, die Glasflaschen-Revolution, die 1855er Klassifikation, den Albada-Jelgersma-Aufschwung bis zum neuen Kapitel unter den Helfrichs – jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen.
Heute steht das Gut für elegante, terroirgetreue Margaux-Weine, die mit ihrer Seidigkeit, Frische und komplexen Vier-Rebsorten-Assemblage überzeugen. Die Weine bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis für einen 5ème Cru Classé und sind sowohl für den mittelfristigen Genuss als auch für die langfristige Kellerreifung bestens geeignet. Wer Margaux in seiner ursprünglichsten Form erleben möchte – nicht laut, nicht exhibitionistisch, sondern von stiller Eleganz und zeitloser Schönheit – findet hier einen der charaktervollsten Vertreter der Appellation.
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