Château Faugères & Château Péby Faugères – Saint-Émilion: Wo Schweizer Präzision auf Bordeaux-Terroir trifft
Von der Parfüm-Dynastie zum Wein-Imperium: Die ungewöhnliche Geschichte des Silvio Denz
Wenn man über die großen Transformationen im modernen Bordeaux spricht, fällt unweigerlich ein Name: Silvio Denz. Ein Schweizer Unternehmer, der sein Vermögen nicht im Wein, sondern in der Parfüm- und Kristallindustrie machte – und der 2005 die Weinwelt im Sturm eroberte. Seine Geschichte ist die eines Mannes, der seinen Kindheitstraum lebte: „Mein größter Traum war es, ein Weingut in Bordeaux zu besitzen."
Denz, der 2008 den legendären Kristallhersteller Lalique erwarb, brachte nicht nur Kapital, sondern eine einzigartige Ästhetik in die Region. Sein Credo: Wein, Architektur und Kunst müssen eine untrennbare Einheit bilden. Das Ergebnis ist eines der spektakulärsten Weingüter des rechten Ufers – ein Ort, wo die Trauben in einer Kathedrale des Weins verarbeitet werden und die Flaschen mit kunstvollen Lalique-Gravuren geschmückt sind.
Die Wahl fiel bewusst auf Saint-Émilion – nicht zufällig, sondern aus tiefer Überzeugung: „Saint-Émilion ist faszinierend – nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Region ist UNESCO-Welterbe. Es ist eine wirklich schöne Gegend, mit sanften Hügeln und einer über 1.000 Jahre alten Stadt." Im Gegensatz zu den riesigen 100-Hektar-Domänen des linken Ufers zog Denz den Charme der kleineren, mittelgroßen Weingüter des rechten Ufers vor.
Doch Denz war kein Wein-Neuling. Mit Hilfe seines Freundes Stephan von Neipperg (Château La Mondotte) und des Star-Önologen Michel Rolland (beratend seit 1992) schuf er ein Portfolio, das heute zu den aufregendsten Namen der Region zählt.
Die Dreifaltigkeit von Faugères: Ein Terroir, drei Ausdrucksformen
Das ursprüngliche Gut wurde im Laufe der Geschichte in drei eigenständige Einheiten aufgeteilt – alle unter dem Dach von Vignobles Silvio Denz:
1. Château Faugères – Das Flaggschiff
Das Herzstück des Portfolios mit 42 homogenen Hektar auf dem Kalksteinplateau und den süd-südöstlich ausgerichteten Hängen von Saint-Émilion. Die Reben wurzeln in asterisiertem Kalkstein aus dem unteren Oligozän und kalkhaltigem Lehm aus dem oberen Eozän und Oligozän – ein Terroir, das zu den schönsten der Appellation zählt.
2. Château Péby Faugères – Die Quintessenz des Merlot
Eine 7,15 Hektar große Monoparzelle auf einem einzigen tonig-kalkhaltigen Hang mit süd-südöstlicher Exposition. Hier gedeiht ein 100% Merlot von unglaublicher Konzentration und Eleganz. Der Name ist eine Hommage an den früheren Besitzer Pierre-Bernard Guisez, dessen Spitzname „Péby" war.
Die Kathedrale des Weins: Architektur als Weinphilosophie
Das Kellereigebäude von Château Faugères ist nicht einfach nur funktional – es ist ein Statement. Der Tessiner Stararchitekt Mario Botta entwarf einen Bau, der mehr an einen Kirchenbau erinnert als an eine Weinlagerstätte. Fünf Jahrhunderte Geschichte trennen die streng geometrische Fassade von der malerischen Chartreuse de Faugères, einem Jagdschloss aus dem 16. Jahrhundert – beide teilen jedoch denselben atemberaubenden Blick über das Amphitheater der Reben.
Der dreigeschossige Turm, bei Nacht von LED-Spots illuminiert, beherbergt Büro- und Degustationsräume. Im unterirdischen Keller lagern über 1.000 Barriques in einem gravitativen System, das die Trauben schonend von der Selektion bis zur Abfüllung führt. Die gesamte Anlage erfüllt die ISO-Norm für umweltverträgliche Weinerzeugung – in Bordeaux noch lange nicht die Regel.
Denz investierte über 8 Millionen Euro in diesen Bau – und schuf damit nicht nur eine Kellerei, sondern ein Symbol für die moderne Weinwelt Bordeauxs.
Château Faugères – Der elegante Assemblage
Terroir & Weinberge
Die 42 Hektar sind in einem natürlichen Amphitheater angelegt, das die umgebenden Hänge nutzt und eine exzellente Sonneneinstrahlung von Süd, West und besonders Ost gewährleistet – letzteres verleiht dem Wein seine außergewöhnliche Frische. Die Hänge sorgen für gute Drainage, während der Kalksteinboden genügend Wasser speichert, um auch heiße, trockene Sommer zu überstehen.
Die Rebstöcke haben ein durchschnittliches Alter von 35 Jahren (laut technischem Datenblatt) bzw. 45 Jahren (laut offizieller Website) – ein Zeichen für ausgeprägte Terroir-Expression. Die Pflanzdichte beträgt 6.600 Stöcke pro Hektar.
Rebsorten
85 % Merlot: Die dominante Rebsorte sorgt für die runde, samtige Textur und die üppige Fruchtaromatik
5 % Cabernet Sauvignon: Fügt Struktur und Länge hinzu
Vinifikation
Die Erfolge erfolgt von Hand und wird in 35 Edelstahl-Gärtanks unterschiedlicher Größe (50–150 hl) vinifiziert – dies ermöglicht die parzellenspezifische Verarbeitung selbst kleinster Chargen. Der Wein reift 14 Monate zu 50 % in neuen französischen Eichenfässern und zu 50 % in Einwegfässern – ein ausgewogener Holzausbau, der Eleganz vor Dominanz stellt.
Zweitwein
Le Calice de Faugères – ein subtiler, verführerischer Wein mit floraler Nase und Noten von Schwarzer Johannisbeere und Hibiskus. Ein samtiger, großzügiger Gaumen mit geschmeidigem Abgang.
Château Péby Faugères – Der 100-Punkte-Merlot
Die Geburt einer Legende
Péby Faugères wurde 1998 geboren – nicht als Zweitwein, sondern als Super-Cuvée zu Ehren des verstorbenen Pierre-Bernard Guisez. Corinne Guisez und ihre Töchter hatten das Gut nach Pebys Tod im Alter von nur 52 Jahren weitergeführt und mit Michel Rolland diese außergewöhnliche Cuvée kreiert.
Michel Rolland erkannte sofort das außergewöhnliche Potenzial der besten Merlot-Parzellen auf dem alten tonig-kalkhaltigen Boden von Saint-Émilion. Die Reben wurden als einheitlicher Block gepflanzt – eine Seltenheit in Bordeaux, die eine homogene Terroir-Expression garantiert.
Die Sensation von 2005
Der Jahrgang 2000, getauft auf den Namen „Légende du Futur", wurde von Robert Parker als einer der 24 besten Bordeaux-Weine eingestuft. Doch die wahre Sensation folgte 2005: In seiner 10-Jahres-Retrospektive vergab Parker dem Péby Faugères 2005 die perfekte Bewertung von 100 Punkten – als erster nicht-klassifizierter Wein überhaupt, der diese Marke erreichte.
„Das war eine kleine Sensation," erinnert sich Denz, „denn 100 Punkte werden normalerweise nur klassifizierten Weinen verliehen." Diese Bewertung katapultierte Péby Faugères in die höchsten Sphären der Weinwelt und bewies, dass Großes nicht immer einen offiziellen Titel braucht.
Terroir & Weinberge
Die 7,15 Hektar (laut offizieller Website 7,45 Hektar) liegen auf einem einzelnen tonig-kalkhaltigen Hang mit süd-südöstlicher Ausrichtung. Die Kombination aus exzellentem geologischem Profil und einem superben Mikroklima durch die Nähe zum Fluss und die zirkusförmige Hügelstruktur schafft ein einzigartiges Terroir, das dem südlichen Saint-Émilion ebenbürtig ist.
Das durchschnittliche Rebenalter beträgt beeindruckende 45 Jahre – ein Zeichen für konzentrierte, terroir-authentische Trauben.
Rebsorten
100 % Merlot (laut offizieller Website)
Oder 92 % Merlot, 10 % Cabernet Sauvignon (laut Tourismus-Website)
Die Diskrepanz in den Angaben zeigt die Flexibilität des Hauses: Je nach Jahrgang wird die Cuvée leicht angepasst, um das Beste aus dem Terroir herauszuholen.
Vinifikation & Ausbau
Die Ernte unterliegt einer drakonischen Selektion, die zu einem extrem reduzierten Ertrag von nur 18 Hektolitern pro Hektar führt. Die jährliche Produktion beträgt lediglich 12.000 bis 18.000 Flaschen – eine Rarität, die die Nachfrage bei Weitsammlern weltweit übersteigt.
Der Ausbau erfolgt zu 51 % in neuen Fässern und zu 50 % in Einwegfässern (laut Tourismus-Website) – eine intensive Holzbehandlung, die dem Wein seine charakteristische Tiefe und Länge verleiht.
Die Lalique-Flasche
Seit der Übernahme durch Silvio Denz ziert die Flasche von Péby Faugères die „Amsel und Trauben"-Gravur, die René Lalique 1928 schuf. Diese künstlerische Verbindung von Wein und Kristall symbolisiert Denz' unerschütterliches Engagement für Handwerkskunst, Schönheit und zeitlose Eleganz.
Nachhaltigkeit & Zertifizierungen
Unter Silvio Denz hat sich das Gut einer konsequenten ökologischen Transformation unterzogen:
Biologischer Anbau: Seit 2017 wird konsequent auf biologische Bewirtschaftung umgestellt
Bio-Zertifizierung: Ab dem Jahrgang 2020 trägt Péby Faugères das offizielle Agriculture Biologique-Zertifikat
HEV Level 3: Die höchste Stufe der französischen Umweltzertifizierung „Haute Valeur Environnementale"
ISO 14001: Umweltmanagement-Zertifizierung für die gesamte Produktion
Diese Zertifizierungen sind nicht nur Etiketten, sondern Ausdruck einer tiefen Überzeugung: Respekt vor der Natur als Grundlage großer Weine.
Geschmacksprofile & Degustationsnotizen
Château Faugères
Erscheinungsbild: Tiefes, gesundes Rubinrot
Nase: Reife, verführerische Noten von Brombeeren, roten Johannisbeeren, blumigem Weihrauch und einem Hauch Lakritz
Gaumen: Extrem reich und aromatisch mit feiner Säure. Der Abgang ist geprägt von
Frische und Balance – ein Wein, der Eleganz und Kraft vereint
Château Péby Faugères
Erscheinungsbild: Undurchdringliches, dichtes Granatrot Nase: Ein exotisches, flamboyantes Bouquet von schwarzen Kirschen, Pflaumen, dunkler Schokolade, Espresso, Trüffel und edlen Gewürzen
Gaumen: Opulent, samtig und hedonistisch. Die Textur ist seidig, die Tannine perfekt integriert, der Abgang endlos lang mit einer dezenten salzigen Note. Ein Wein, der Sinnlichkeit und Terroir in perfekter Balance vereint
Bewertungen & Pressestimmen
Château Faugères
2025: 93 Punkte – „Lakritz, Kakao, schwarze Kirschen und Espresso. Am Gaumen noch besser: üppig, cremig, seidig mit schokoladigem, kirschigem Abgang." (The Wine Cellar Insider)
2023: 93 Punkte – „Floral, mit Schichten von plüschigem, poliertem, reichem, süßem und langem, cremigem, fruchtbetontem Abgang." (The Wine Cellar Insider)
2022: 94 Punkte – „Süß, üppig, opulent und seidig – hedonistisch und sexy. Mittelschwer bis vollmundig, mit Länge und sexy Texturen." (The Wine Cellar Insider)
2020: 94 Punkte – „Trüffel, Kakao, dunkle rote Früchte, Lakritz und Gewürze. Reich, üppig, konzentriert, tief und poliert." (The Wine Cellar Insider)
2019: 93 Punkte – „Tief gefärbt, frisch, lebendig und reich. Die Frucht vereint schwarze Kirschen, Pflaumen und Erdbeere mit getrockneten Blumen, Waldblättern und Gewürzen." (The Wine Cellar Insider)
2015: 94 Punkte – „Fruchtig, fleischig und frisch – perfekt reife, opulent texturierte rote und schwarze Früchte, Samttexturen und ein langer Abgang von Lakritz, Espresso und reifen schwarzen Pflaumen." (The Wine Cellar Insider)
Château Péby Faugères
2005:100 Punkte (Robert Parker, The Wine Advocate) – Die Sensation, die alles veränderte
2000: Einer der 24 besten Bordeaux-Weine (Robert Parker) – „Légende du Futur"
2021: 93 Falstaff-Punkte (Peter Moser)
Lagerfähigkeit & Servierempfehlung
Château Faugères
Lagerfähigkeit: 10–20+ Jahre, Top-Jahrgänge wie 2005, 2009, 2010, 2015, 2018, 2019, 2020 oder 2022 können 25+ Jahre reifen Serviertemperatur: 16–18 °C Dekantieren: 1–2 Stunden vor dem Genuss
Passende Speisen: Gegrilltes Entrecôte, Lammkarree, Wildschweinbraten, gereifter Comté
Château Péby Faugères
Lagerfähigkeit: 15–30+ Jahre, der 100-Punkte-Jahrgang 2005 ist heute noch in seiner PrimeServiertemperatur: 16–18 °CDekantieren: 2–3 Stunden vor dem Genuss – dieser Wein braucht Luft, um sein volles Potenzial zu entfaltenPassende Speisen: Perlhuhn mit Trüffel, Rinderfilet mit Rotweinsauce, gereifter Gruyère, oder einfach pur zur Meditation
Warum Château Faugères & Péby Faugères in Ihren Weinkeller gehören
In einer Welt, in der Bordeaux-Weine oft entweder unerschwinglich oder austauschbar sind, bieten Faugères und Péby Faugères etwas Seltenes: Großwein-Charakter mit einer Geschichte, die begeistert.
Château Faugères ist der perfekte Einstieg in die Welt von Silvio Denz – ein eleganter, ausgewogener Assemblage, der die Essenz des Saint-Émilion-Terroirs auf 42 Hektar perfekt einfängt. Ein Wein, der sowohl jung als auch nach Jahren der Reife überzeugt, und das zu einem Preis, der für diese Qualität erstaunlich fair ist.
Château Péby Faugères hingegen ist der Sammlertraum schlechthin – ein 100% Merlot von nur 7,15 Hektar, der bereits bewiesen hat, dass er mit den allerbesten Weinen der Welt mithalten kann. Die 100 Punkte von Robert Parker sind keine Ausnahme, sondern die Bestätigung einer konsequenten Qualitätsphilosophie. Mit nur 12.000–18.000 Flaschen jährlich ist dieser Wein eine echte Rarität, die in keiner ernsthaften Sammlung fehlen darf.
Die Kombination aus spektakulärer Architektur, ökologischer Verantwortung, künstlerischem Anspruch (Lalique) und konsequentem Qualitätsdenken macht dieses Weingut zu einem der aufregendsten Adressen des modernen Bordeaux. Silvio Denz hat nicht nur ein Weingut gekauft – er hat eine Vision verwirklicht, die Wein, Kunst und Nachhaltigkeit vereint.
Technische Daten Château Faugères & Château Péby Faugères
Neben den beiden Faugères-Weinen umfasst das Imperium des Silvio Denz weitere herausragende Güter:
Château Cap de Faugères: Castillon-Côtes de Bordeaux – zugänglich, fruchtbetont, früh trinkreif
Château Rocheyron: Saint-Émilion Grand Cru
Château Lafaurie-Peyraguey: Premier Grand Cru Classé 1855 in Sauternes, mit dem exklusiven Lalique Hotel & Restaurant (2 Michelin-Sterne seit 2022)
Fazit: Ein Weingut, das Grenzen neu definiert
Château Faugères und Château Péby Faugères sind mehr als nur Weine – sie sind das Ergebnis einer Vision, die Kunst, Architektur, Nachhaltigkeit und Spitzen-Önologie vereint. Silvio Denz hat bewiesen, dass ein Quereinsteiger aus der Parfümindustrie die Weinwelt verändern kann, wenn Leidenschaft, Kapital und ästhetischer Anspruch Hand in Hand gehen.
Hier geht es zum Video von VIGNOBLES SILVIO DENZ mit den Chateaux Peby Faugeres, Faugeres und Cap de Faugeres: