Château Clos du Clocher – Pomerol: Ein Jahrhundert Geduld und Hingabe am Fuße des Kirchturms
1924: Die Geburt eines Pomerol-Insider-Tipps unter dem Glockenturm von Saint-Jean
Wenn man durch die engen Straßen von Pomerol fährt, vorbei an den gigantischen Namen wie Petrus und Le Pin, stößt man auf ein kleines, bescheidenes Gut, dessen Geschichte so alt ist wie die Appellation selbst – und dessen Name eine der poetischsten Entstehungsgeschichten des Bordeaux birgt: Château Clos du Clocher. Der Name selbst ist ein Echo aus dem Jahr 1924, als der Négociant Jean-Baptiste Audy ein kleines Parzellen von Reben am Fuße der Église Saint-Jean erwarb. Als er aufblickte, fiel sein Blick auf den hohen Kirchturm (französisch:
clocher), der sich majestätisch über den Weinbergen des Plateaus erhob. Dieser Anblick inspirierte ihn, sein neues Domaine „Clos du Clocher" zu nennen – der Clos am Kirchturm.
Doch die Geschichte der Familie Audy reicht noch viel weiter zurück. Die Audys stammen aus Corrèze, einer der ärmsten Regionen Frankreichs im 19. Jahrhundert. Während des großen Exodus verließen Antoine Audy, seine Frau Marie und ihr Sohn Laurent Philippe die Heimat und landeten in der Bordeaux-Region.
1881 erwarben sie Château Jonqueyres in Entre-Deux-Mers – den ersten Schritt auf dem Weg zum Wein-Imperium.
1906 gründete Jean-Baptiste Audy sein Négociant-Haus in Libourne. Durch geschickte Heirat mit Hortense Demathieu, der Tochter einer wohlhabenden Négociant-Familie, festigte er seine Position. Innerhalb von zwei Jahrzehnten war er in der Lage, eigene Weinberge zu erwerben – und so kam es
1924 zur Gründung von Clos du Clocher. Weitere Zukäufe folgten:
1931 eine zweite Parzelle,
1940 Land am Rande von Catusseau mit Kellerräumen. Das Domaine war komplett.
Drei Generationen, drei Visionen: Von Jean-Baptiste Audy bis Jean-Baptiste Bourotte
Nach dem Tod von Jean-Baptiste Audy 1961 übernahm sein Enkel Pierre Bourotte die Leitung. Doch Pierre hatte andere Träume und verließ 1973 das Gut, um eigene Wege zu gehen. In der Zwischenzeit führte Jean Audy, ein Onkel, die Weinbereitung. Er war verantwortlich für die legendären Jahrgänge 1976, 1982 und 1989 – von denen besonders der 1982er als einer der größten Clos du Clocher aller Zeiten gilt.
Die wahre Revolution begann 2003, als Jean-Baptiste Bourotte, der Urenkel des Gründers, zurückkehrte. Nach Jahren bei der Luxusuhrenmarke Cartier (er sammelt bis heute elegante Cartier-Armbanduhren) entschied er sich, das Familienerbe anzutreten. Sein erster Jahrgang 2005 markierte den Beginn der
modernen Ära von Clos du Clocher – eine Ära, die den Wein von einem Insider-Tipp zu einem der
besten Preis-Leistungs-Verhältnisse im gesamten Pomerol machte.
2024 feierte das Gut sein
100-jähriges Jubiläum – ein Jahrhundert Geduld, Hingabe und unerschütterlicher Familientradition.
Das Terroir: Blauer Ton und tiefe Kiesablagerungen – der natürliche Vertrag
Mit nur 4,6 Hektar (von insgesamt 5,9 Hektar Land) gehört Clos du Clocher zu den kleinsten, aber kostbarsten Gütern des Pomerol-Plateaus. Die drei Parzellen, die Jean-Baptiste Audy zwischen 1924 und 1940 erwarb, bilden bis heute das Herzstück des Domaines.
Das Besondere: Clos du Clocher liegt direkt am Pomerol-Plateau, in Sichtweite der Église Saint-Jean – jener Kirche, die dem Gut seinen Namen gab. Der Boden besteht aus tonigen Böden auf einem Unterboden aus blauem Ton, durchsetzt mit tiefen Kiesablagerungen – eine Kombination, die nur wenige Güter in Pomerol aufweisen können.
Dieser blaue Ton (argile bleue) ist der Schlüssel zum Erfolg. Er reguliert die Wasserversorgung mit außergewöhnlicher Elastizität und ermöglicht eine exzellente Synthese der
Polyphenole in den Trauben. Robert Parker beschrieb dieses Terroir als „fabulous terroir" – und verglich es mit den berühmtesten Namen des Pomerol: Petrus, Le Pin, La Conseillante und Vieux Château Certan teilen denselben geologischen Vertrag mit der Natur.
Die 3 Hektar der ältesten Parzellen stammen aus 1957 – Rebstöcke, die über 65 Jahre alt sind und tief in den blauen Ton verwurzelt sind. Diese alten Reben liefern Trauben von unglaublicher Konzentration und Komplexität, die sich direkt im Glas widerspiegeln.
Die Rebsorten von Château Clos du Clocher
| Rebsorte |
Anteil |
Rolle im Wein |
| Merlot |
70-78% |
Runde, samtige Textur, üppige Frucht, cremige Fülle, opulente Süße |
| Cabernet Franc |
22-30% |
Florale Komplexität, pfeffrige Würze, erfrischende Säure, zeitlose Frische |
Der Merlot-Anteil von 70-78% ist typisch für Pomerol, doch der außergewöhnlich hohe Cabernet Franc-Anteil von 22-30% ist das
Markenzeichen von Clos du Clocher. Diese Rebsorte, die auf den alten Parzellen von 1957 gedeiht, verleiht dem Wein seine unverwechselbare Persönlichkeit – eine florale Eleganz, eine pfeffrige Würze und jene erfrischende Säure, die den Wein selbst nach Jahrzehnten der Reife lebendig und jugendlich hält.
„Die alten Cabernet Franc-Reben haben dem Endverschnitt schon lange seine unverwechselbare Persönlichkeit verliehen" – so beschreibt die Familie Bourotte-Audy die Bedeutung dieser Rebsorte. Es ist dieser Cabernet Franc, der Clos du Clocher von den reinen Merlot-Bomben anderer Pomerol-Weine unterscheidet und ihm eine fast zeitlose Frische gibt.
Nachhaltigkeit & Zertifizierungen
Château Clos du Clocher arbeitet konsequent nachhaltig:
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HVE 3 (Haute Valeur Environnementale, Stufe 3) – die höchste Stufe der französischen Umweltzertifizierung
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Sustainable viticulture – nachhaltiger Weinbau
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Natürliche Begrünung oder Ansaat mit Hafer und Klee – strukturiert den Boden und liefert Mineralien
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Kompostierung – organische Düngung
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Bodenbearbeitung ohne Chemikalien – Schutz vor Erosion und Wetterextremen
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Manuelle Laubarbeit – Entlaubung und Grünarbeiten von Hand
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Doppelte Selektion – vor und nach dem Entrappen auf Vibrations-Tabellen
Diese Haltung ist nicht nur Etikett, sondern tief verwurzelte Überzeugung: Respekt vor dem Terroir, das den Wein erst möglich macht.
Vinifikation: Langsam und geduldig – wie ein Topf, der sanft köchelt
Die Kellerei von Clos du Clocher wurde
2018 komplett renoviert – entworfen von den Bordeaux-Architekten Fabre de Marien. Der neue Bau umfasst einen erweiterten Gärkeller, einen unterirdischen Keller für gravitative Arbeit und einen Alte-Jahrgänge-Keller – alles in harmonischem Einklang mit den umgebenden Reben.
Die Vinifikation erfolgt in
kleinen, temperaturkontrollierten Edelstahl- und Beton-Gärtanks – eine typisch bordelesische Infrastruktur, die sich perfekt an die kleinen Volumina der Parzellen anpasst. Durch Pigeage (Unterstoßen) oder Remontage (Mostaufsatz) wird jeder Tank so viel Zeit gegeben, wie er braucht, um sein volles Potenzial zu entfalten – „
wie ein Topf, der langsam auf dem Herd köchelt".
Die malolaktische Gärung findet größtenteils im Barrique statt, was dem Wein zusätzliche Cremigkeit und Holzkomplexität verleiht. Der Ausbau dauert 18 Monate in feinkörnigen französischen Eichenfässern – zwei Drittel neue Fässer, ein Drittel einjährige Fässer. Die Fässer werden mit enormer Sorgfalt ausgewählt, sowohl durch den Küfer als auch durch das Kellerteam.
Die Verschnitte werden vom Kellerteam von Clos du Clocher in Partnerschaft mit Michel Rolland und seinem Team ausgewählt – eine Zusammenarbeit, die Struktur und aromatische Palette der Weine definiert.
Die jährliche Produktion des Grand Vin beträgt nur ca. 20.000 Flaschen – eine winzige Menge, die den Wein zu einer echten Rarität macht und die Nachfrage bei Sammlern und Kennern weit übersteigt.
Lagerfähigkeit & Servierempfehlung
Château Clos du Clocher ist ein Wein mit exzellentem Alterungspotenzial. Während er in seiner Jugend bereits betörend zugänglich ist, entfaltet er seine volle Komplexität erst nach 5–15 Jahren Flaschenreife. Top-Jahrgänge wie 2015, 2016, 2018, 2019, 2020, 2022, 2023 oder 2025 können problemlos 20–25 Jahre reifen.
Serviertemperatur: 16–18 °C
Dekantieren: 1–2 Stunden vor dem Genuss, besonders bei jüngeren Jahrgängen
Passende Speisen: Gänse- oder Entenleber, Trüffel, Lamm und Rindfleisch, Landhuhn, Innereien, Wild, Käse (besonders Blauschimmelkäse und Camembert)
Warum Château Clos du Clocher in Ihren Weinkeller gehört
In einer Welt, in der Pomerol-Weine oft astronomische Preise erreichen (Petrus, Le Pin), bietet Clos du Clocher etwas Seltenes: Pomerol-Plateau-Qualität auf einem Terroir, das Petrus und La Conseillante ebenbürtig ist – zu einem Preis, der erstaunlich fair bleibt.
Die Bourotte-Audy-Tradition ist keine Marketing-Story, sondern messbare Realität: 100 Jahre Familiengeschichte, blauer Ton-Terroir, hoher Cabernet Franc-Anteil, konsequente Qualitätsorientierung, konstant steigende Bewertungen. Der Wein hat seinen Platz in der ersten Liga von Pomerol zurückgewonnen – und das ohne den Preis eines Petrus zu verlangen.
Für deinen Weinshop bedeutet das: Ein Wein, der jede Kundschaft begeistert – vom Einsteiger, der einen erschwinglichen, hochwertigen Pomerol entdeckt, bis zum Sammler, der den nächsten großen Jahrgang für seinen Keller sucht. Ein Wein mit einer Geschichte, die man erzählen kann: Vom Corrèze-Exodus über den Kirchturm von Saint-Jean bis zur 100-Jahr-Feier. Ein Wein, der beweist, dass die besten Preis-Leistungs-Verhältnisse oft dort liegen, wo niemand sie sucht.
Der berühmte Weinkritiker Jancis Robinson formulierte es präzise: „Should be snapped up!" – Ein Satz, der sich mit jedem neuen Jahrgang bestätigt.
Technische Daten Château Clos du Clocher
| Merkmal |
Details |
| Appellation |
Pomerol AOC |
| Gründung |
1924 durch Jean-Baptiste Audy |
| Jubiläum |
100 Jahre (1924–2024) |
| Besitzer |
Familie Bourotte-Audy (seit 1924, 5. Generation: Jean-Baptiste Bourotte seit 2003) |
| Technische Leitung |
Cécile Dupuis |
| Berater |
Michel Rolland, Christian Veyry |
| Weinbergsfläche |
4,6 Hektar (von 5,9 ha Gesamtland) |
| Terroir |
Pomerol-Plateau, tonige Böden auf blauem Ton mit tiefen Kiesablagerungen |
| Rebsorten |
70-78% Merlot, 22-30% Cabernet Franc |
| Durchschnittsalter der Reben |
33 Jahre (älteste Parzellen von 1957: 65+ Jahre) |
| Pflanzdichte |
6.000-8.000 Stöcke/Hektar (je nach Parzelle) |
| Rebschnitt |
Guyot doppelt und Guyot einfach |
| Bodenmanagement |
Traditionell maschinell, Gründeckenentfernung ohne Chemikalien |
| Grüne Arbeiten |
Manuelle Entlaubung, Laubschnitt je nach Zeitpunkt der Véraison |
| Ernte |
Manuell in kleinen Kisten, optische Sortierung vor und nach dem Entrappen |
| Vinifikation |
Parzellenspezifisch, manuelles Pigeage/Remontage, Maischegärung ca. 1 Monat, pneumatische Presse |
| Gärtanks |
Temperaturkontrollierte Edelstahl- und Betontanks |
| Malolaktische Gärung |
Im Barrique |
| Ausbau |
18 Monate in feinkörnigen französischen Eichenfässern (2/3 neu, 1/3 einjährig) |
| Füllungen |
1-2 mal pro Jahr je nach Verkostung |
| Alkoholgehalt |
13,2-14,5% vol. (je nach Jahrgang) |
| Jährliche Produktion |
ca. 20.000 Flaschen (extrem limitiert) |
| Lagerfähigkeit |
5-25+ Jahre (je nach Jahrgang) |
| Trinktemperatur |
16-18 °C |
| Zertifizierungen |
HVE 3, Sustainable viticulture |
| Lage |
Pomerol-Plateau, in Sichtweite der Église Saint-Jean |
Fazit: Ein Wein, der Geschichte schreibt – seit 100 Jahren
Château Clos du Clocher ist mehr als nur ein weiterer Pomerol. Er ist die Geschichte eines Jahrhunderts – von der Corrèze-Armut über den Libourne-Négocianten bis zum modernen Pomerol-Star. Er ist das Ergebnis eines natürlichen Vertrags zwischen Rebe und blauem Ton – ein Vertrag, der nur wenige Güter in Pomerol genießen.